„Endlich mal wieder was Grünes sehen“

„Endlich mal wieder was Grünes sehen“

Wie fasst man zehn Tage zusammen, die sich gleichzeitig wie ein Augenblick und wie eine kleine Ewigkeit anfühlen?

Zehn Tage in Girona. Zehn Tage voller Musik, Begegnungen und unzähliger Momente, die uns geprägt haben. Eine Reise, die uns nicht nur musikalisch weitergebracht, sondern auch als Chor enger zusammengeschweißt hat.

Vom 10. bis 19. Juli 2026 durfte der Jugendkammerchor „Clara Schumann“ beim internationalen Kinder- und Jugendchorfestival „Europa Cantat Junior“ in Girona (Spanien) dabei sein. 

 

Zwischen 35 Grad, viel zu wenig Schlaf, unzähligen Litern Wasser, Shuttlefahrten und der täglichen Suche nach dem nächsten Schatten ist unsere Chorgemeinschaft noch enger zusammengewachsen. Eine Gemeinschaft, die miteinander singt, lacht, lernt, sich gegenseitig trägt – und gemeinsam über sich hinauswächst.

Ein ganz besonderer Teil dieser Reise war unser Atelier bei Federico Trindade. Dort durften wir in die Welt der brasilianischen Popularmusik eintauchen – eine Musik voller Rhythmus, Bewegung und Ausdruck, die für viele von uns ganz neue Perspektiven eröffnet hat. Federico hat uns eingeladen, Musik nicht nur zu singen, sondern sie mit unserem ganzen Körper und unseren eigenen Emotionen zu erleben. Er hat uns gezeigt, dass ein Lied erst dann lebendig wird, wenn es nicht nur aus Tönen und Worten besteht, sondern aus dem, was wir hineinlegen: unsere Gefühle, unsere Energie und unsere Verbindung zueinander. Viele von uns haben in dieser Woche beim Singen mehr gefühlt und ausgedrückt als je zuvor.

 

Doch nicht nur die Proben haben diese Reise so besonders gemacht. Wir durften Chöre aus den unterschiedlichsten Ländern Europas erleben, neue Musik entdecken, uns gegenseitig inspirieren und mit Menschen musizieren, deren Sprache wir oft nicht verstanden – deren Leidenschaft dafür aber umso mehr.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Reise war unser eigenes Choir-to-Choir-Concert. Mit unserem Programm durften wir zeigen, was uns als Chor ausmacht, und unsere Musik mit Menschen aus anderen Ländern teilen. Dabei wurde uns noch einmal bewusst, dass es in der Musik nicht immer um die lautesten Töne oder die spektakulärsten Effekte geht, sondern oft um die leisen Momente: um einen gemeinsamen Atem, ein bewusstes piano und das stille Vertrauen zueinander.

Ein weiterer besonderer Moment war das große Final Concert am letzten Abend der Reise. Gemeinsam mit Federico und den Sänger*innen aus unserem Atelier durften wir die Stücke, die uns während dieser Reise begleitet hatten, auf die große Bühne bringen. Was wenige Tage zuvor noch eine Gruppe von Menschen aus verschiedenen Ländern gewesen war, wurde durch die gemeinsame musikalische Arbeit, Federicos Vertrauen und seine besondere Art des Miteinanders zu einem Ensemble.

 

Natürlich haben uns diese zehn Tage auch gefordert. Die Hitze, die langen Tage und die vielen neuen Eindrücke haben uns manchmal an unsere Grenzen gebracht. Doch genau in diesen Momenten haben wir erlebt, was Gemeinschaft wirklich bedeutet. Denn man wächst eben nicht nur an den großen Konzertmomenten, sondern auch an trockenen Festivalmahlzeiten, spontanen Spieleabenden, gemeinsamen Lachanfällen, schmutzigen Füßen nach Barfußauftritten und daran, sich gegenseitig durch Hitze, Müdigkeit und Heimweh zu tragen. Und manchmal auch daran, wie sehr man sich über ein selbstgemachtes Abendessen freuen kann – oder über ein Salatblatt auf dem Teller. „Endlich mal wieder was Grünes sehen“, wurde an einem dieser Abende gesagt. Ein Satz, der uns alle zum Lachen brachte und diese Reise irgendwie perfekt zusammenfasste. Genau diese kleinen Momente sind es, die eine Reise unvergesslich machen.

 

Wenn das Festival eines gezeigt hat, dann das, was wir eigentlich schon längst wussten: Gemeinsames Singen schafft Verbindung. Es verbindet Menschen über Ländergrenzen, Sprachen und Kulturen hinweg – und lässt auch uns als Chor noch enger zusammenwachsen.

Wir fahren nach Hause mit neuen Freundschaften, neuen Lieblingsstücken, unzähligen Ohrwürmern und einem Koffer voller Erinnerungen – und ja, auch mit einigen verschwitzten Kleidungsstücken. Vor allem aber nehmen wir etwas mit, das sich auf keinem Gruppenfoto festhalten lässt: das Gefühl, gemeinsam gewachsen zu sein. Als Chor. Als Musiker*innen. Als Menschen.

 

Von Herzen danken möchten wir Federico Trindade und dem gesamten Team von „Europa Cantat Junior“. Ihr habt einen Ort geschaffen, an dem Musik gelebt wird und an dem junge Menschen erfahren dürfen, wie tief gemeinsames Musizieren berühren kann. Danke für eure Inspiration, eure Leidenschaft und dafür, dass wir Teil dieser besonderen Festival-Woche sein durften.

Ebenso gilt unser herzlichster Dank unseren betreuenden Eltern und unserem musikalischen Team. Danke für euer Vertrauen, euren unermüdlichen Einsatz, die vielen Wassermelonen, das gemeinsame Eisessen, die Badeausflüge, eure offenen Ohren, … und dafür, dass ihr jederzeit für uns da wart. Ihr habt uns motiviert, organisiert, versorgt, beruhigt, zum Lachen gebracht und immer dafür gesorgt, dass wir uns ganz auf das konzentrieren konnten, worum es wirklich ging: die Musik und die Gemeinschaft.

Und schließlich möchten wir uns beim Freundeskreis des Clara-Schumann-Kinderchores e.V. und allen Spender*innen bedanken. Eure organisatorische Hilfe und eure finanzielle Unterstützung haben dazu beigetragen, dass wir diese einmalige Erfahrung machen durften. Ihr habt nicht nur eine Reise ermöglicht, sondern Erinnerungen geschaffen, die uns noch lange begleiten werden.

Unsere Reise ist vorbei. Doch das, was wir mit nach Hause nehmen, bleibt: die Musik, die Begegnungen, die Inspiration – und das Gefühl, dass gemeinsames Singen Menschen auf eine Weise verbindet, die sich kaum in Worte fassen lässt.

 

 

„Endlich mal wieder was Grünes sehen“